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Münchner Aids- und Hepatitistage

16. Münchner Aids- und Hepatitis-Tage

M__nchner_Aidstage_2016_2Zu einem der Schwerpunkte zählte dieses Mal auch die Flüchtlingskrise im Zusammenhang mit eventuell ansteigender Infektionszahlen in Deutschland. Hierbei lässt sich aber griffig festhalten, dass die allermeisten Flüchtlinge vor allem aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie im weiteren Sinne auch aus anderen Herkunftsgebieten auf ihrem Weg nach oder bei ihrem Aufenthalt in Europa im allgemeinen durch die gleichen Infektionskrankheiten gefährdet sind wie die ansässige Bevölkerung. Dr. Osamah Hamouda, MPH Abteilung für Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts in Berlin, hat betont, dass keinerlei auffällige Infektionsschemata (insbesondere bei Aids und Hepatitis C) festzustellen sind, obgleich diese Gruppe aufgrund der Fluchtumstände im besonderen Maße schutzbedürftig ist, zumal die schwierigen hygienischen Umstände vor allem bei den üblichen anderen Infektionserkrankungen Grund für eine Verbesserung der medizinischen Betreuung insgesamt sind.

Ein Sorgenkind sei die TBC, welche aber in der Regel durch Screenings erkannt werde. Auch seien beispielsweise die üblichen Kinderkrankheiten und deren Risiken, die „banalen“ Erkältungserkrankungen sowie das sog. Läuserückfallfieber bei Menschen zumeist ostafrikanischer Herkunft nicht zu vernachlässigen.

Ein anderer Schwerpunkt der Veranstaltung lag bei der PrEP – also der prophylaktischen ART-Behandlung vor einer möglichen Exposition dem HI-Virus bei zu erwartendem Sexualkontakt ohne Kondom. Der niedergelassene Schwerpunktbehandler Dr. med. Heiko Jessen aus Berlin vertrat die Position, dass das Gesundheitssystem in Deutschland in Anlehnung an die bisher guten Erfahrungen in Frankreich und im Vereinigten Königreich sich den Optionen für eine PrEP öffnen müsse. Als Behandler erhalte er immer mehr Anfragen von der Patientenschaft hinsichtlich einer PrEP, die in den USA immerhin schon seit 2012 zugelassen ist. Die Probleme bei der Kostenübernahme und bei der Zulassung auf dieses Anwendungsgebiet könnten und müssten gelöst werden, auch um eine Festsetzung eines Schwarz- und Graumarktes in Deutschland zu verhindern. Hierbei sollten auch die auslaufenden Patente für einzelne Präparate in einem neuen kreativen gesundheitspolitischen Gesamtkonzept mit beachtet werden. Jessen legt dar, dass beispielsweise die Region San Francisco mit einer energischen PrEP-Strategie die Neuinfektionsrate um 20% senken konnte.

Eine besondere Aufmerksamkeit hat das Thema „Genschere“ – also die gentechnische theoretische Behandlungsoption - durch aktuelle Publikationen in der Fachpresse wie auch durch die Berichterstattung in den Medien bekommen.
Es gibt immerhin einen gangbaren theoretischen Ansatz, wie es zu einer (wie auch immer definierten) Heilung von HIV kommen könnte. Doch Prof. Dr. Georg Behrens von der Medizinischen Hochschule Hannover dämpfte Erwartungen hinsichtlich einer konkreten Behandlungsoption quasi in der „Pipeline“. Hierbei spielen auch Abwägungen von Nutzen, Aufwendung und Schaden eine nicht unerhebliche Rolle. Es steht hier – theoretisch – die Frage im Raum, ob es unter den gegenwärtigen Bedingungen und den vielfältigen Behandlungsoptionen überhaupt Sinn mache, ggf. einen Patienten mit einer aufwändigen „neuen“ Behandlung zu belasten, wenn er (oder sie) bereits auf üblichen Wegen erfolgreich therapiert wird. Gleichwohl sei man wissenschaftlich auf dem Wege, das bisher Undenkbare zu wagen, um zumindest auch völlig neue Wege in einer wie auch immer ausgestalteten Behandlung zu gehen. Die Erkenntnisgewinne der „Genschere“ würden zumindest, da scheint sich Behrens sicher, die Möglichkeiten das HI-Virus zu erkennen, anzugreifen wie auch in Schach zu halten, erheblich erweitern.  

Text: Jörn Holtorf

Weitere Informationen auf der Webseite des Veranstalters.

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